Kommentar

Unnötig

Werner Kolhoff hält die Debatte um grüne Kanzlerkandidatenpläne für verfrüht

Die Grünen wären mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie überhaupt einen Kanzlerkandidaten ausrufen würden, erst recht, wenn sie es zu diesem Zeitpunkt täten. Es sind ja noch regulär zwei Jahre bis zur Wahl. Da wird ein Kandidat, der zu früh ernannt wird, nur durch den Wolf der Neider und Kritiker gedreht. Annegret Kramp-Karrenbauer erlebt das gerade.

So etwas kann Winfried Kretschmann nicht wollen, der jetzt die Debatte losgetreten hat. Außerdem sind die Grünen – jedenfalls ein bisschen – noch immer eine andere Partei. Eine Doppelspitze aus Mann und Frau steht ihnen weit besser als ein Zampano – auch ein weiblicher – an der Spitze. Jedenfalls wenn so ein Duo kollegial funktioniert, wie das gerade der Fall ist.

Dass Robert Habeck in der Popularität vorn liegt, nimmt nicht weg, dass Annalena Baerbock nach innen die wichtigere Rolle spielt. Die CDU braucht immer einen Kanzlerkandidaten oder eine Kandidatin, weil sie stets nach der Macht strebt. Die SPD braucht ihn oder sie, um die Hoffnung auf Macht nicht zu verlieren. Die Grünen aber haben so etwas für ihr Parteiego nicht nötig. Am liebsten würden sie wohl ganz auf eine Entscheidung verzichten – beziehungsweise einen Doppelkanzler ernennen, aber das lässt die Verfassung nicht zu.

Dass die Grünen die nächste Wahl gewinnen und eine Koalition anführen können, ist nach wie vor unwahrscheinlich. Sollte der Fall dennoch eintreten, dann reicht es vollkommen aus, wenn sich Habeck und Baerbock dann tief in die Augen gucken und entscheiden, wer es machen soll. Dass einer von beiden im Kanzleramt Richtlinienkompetenz hätte, muss nicht befürchtet werden. Die hatte bei den Grünen noch niemand.

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