Kommentar

Unter Kostendruck

Archivartikel

Peter W. Ragge zur Lage der Reiss-Engelhorn-Museen

Dass die Besucherzahl der Reiss-Engelhorn-Museen auf einen Tiefstand seit der Zeughaus-Wiedereröffnung 2007 fällt, ist nicht dramatisch. Kräftige Wellenbewegungen in der Besucherstatistik gab es immer mal wieder, denn „Blockbuster“-Ausstellungen mit überregionaler, teils sogar bundesweiter Anziehungskraft lassen sich nur alle paar Jahre organisieren.

Aber das nächste Großprojekt steht erst in eineinhalb Jahren an. Im Herbst 2021 und damit vier Jahre nach der „Päpste“-Schau kommen die Normannen – das dauert also noch. Dieser große Abstand ist, zusammen mit der sinkenden Besucherzahl, schon ein Alarmzeichen. Es zeigt, dass die Reiss-Engelhorn-Museen unter enormem Kostendruck stehen – und zwar von zwei Seiten.

Sonderausstellungen, Veranstaltungen, Marketing, alle Forschungsprojekte – all das wird seit fast 20 Jahren allein über Stiftungen finanziert. Fast die Hälfte des Personals ist dort angestellt.

Aber durch die Niedrigzinsphase sinken die Erträge der Stiftungen. Dafür leisten sie zwar immer noch viel, allzugroße Sprünge sind jedoch nicht mehr möglich. Insbesondere können die drei Stiftungen nicht das leisten, was allein Sache der Stadt ist: der laufende Museumsbetrieb, die Sammlungen, Personal-, Energie- und Betriebskosten.

Da sind die Reiss-Engelhorn-Museen strukturell unterfinanziert, und zwar schon sehr lange. Das fiel nur zunächst nicht auf, weil die Stiftungen eben manches aufgefangen haben.

Ein Gutachten hat jetzt zwar den Beweis erbracht. Die richtige Konsequenz daraus wurde jedoch nicht gezogen, der Zuschuss nur halbherzig angepasst. Dann fragt man sich aber, weshalb die Stadt etwa 90 000 Euro für solch eine Untersuchung ausgibt, wenn sie die Ergebnisse nicht hören will.

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