Kommentar

Unter Zugzwang

Archivartikel

Hagen Strauß zu Friedrich Merz als möglichem CDU-Chef

Der Erste kommt klar aus der Deckung: Friedrich Merz will für den CDU-Vorsitz kandidieren. Damit greift der Sauerländer auch nach der Kanzlerkandidatur der Unionsparteien. Überraschend ist das nicht. Merz hat seine Ambitionen auch nach der gegen Annegret Kramp-Karrenbauer verlorenen Vorsitzenden-Wahl nie begraben. Seine Einlassungen, er wolle in einem Team mitspielen, waren immer nur taktisch motiviert und dem Umstand geschuldet, dass die Vorsitzende das erste Zugriffsrecht in der K-Frage gehabt hat. In Wahrheit wollte Merz immer nur eines: Kanzlerkandidat werden. Beflügelt worden ist er von der großen Zustimmung an der Basis – und sie ist auch jetzt sein Pfund. Insofern ist es nur konsequent, dass er seine Chance gekommen sieht. Die Umstände haben sich nach dem Verzicht von AKK geändert.

Merz setzt nun die anderen potenziellen Kandidaten unter Zugzwang. Auch sie müssen sich zügig bekennen, um ihre Chancen zu wahren. Gesundheitsminister Jens Spahn hat bereits erste Andeutungen gemacht, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet dürfte folgen.

Ob das Vorpreschen von Merz klug ist, wird sich zeigen. Wer Vorsitzender und Kanzlerkandidat werden will, der muss Verbündete und parteiinterne Truppen hinter sich versammelt haben. Merz hat nicht nur Freunde in der Union – seine nach wie vor engen Verbindungen zur Finanzbranche, seine fehlende Empathie für soziale Belange, die nicht vorhandene Regierungserfahrung machen ihn angreifbar. Und dass er sich nach der verlorenen Vorsitzenden-Wahl nie wirklich eingebracht hat in die Parteiarbeit, kreiden ihm viele an.

 
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