Kommentar

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Thomas Spang hält den US-Justizminister Jeff Sessions für nicht haltbar- in normalen Zeiten

 

In normalen Zeiten könnte sich jemand wie Justizminister Jeff Sessions nicht länger im Amt halten. Dass er die Diskussion mit dem ehemaligen außenpolitischen Berater George Papadopulos über ein Spitzentreffen Trump-Putin im Wahlkampf vergessen haben will, zeugt entweder von groben Erinnerungs-Lücken. Oder Sessions rückt nur mit der Wahrheit heraus, weil es seit der Anklage Papadopulos' durch Sonderermittler Robert Mueller nicht mehr anders geht.

Wenn dem so ist, hat der Minister bei früheren Anhörungen gelogen und ist an der Spitze der US-Justizbehörde nicht länger haltbar. Im anderen Fall fehlte Sessions die mentale Fitness für den fordernden Job, und er müsste deshalb gehen. Doch dies sind keine normalen Zeiten in den USA, deren Präsident sich selbst als routinierter Lügner entpuppt hat. Statt zu helfen, den Angriff einer gegnerischen Macht aufzuklären, macht sich Sessions skrupellos zum Büttel Trumps. Und schreckt dabei nicht davor zurück, sein traditionell auf Unabhängigkeit bedachtes Ressort zu politisieren. Ein rechtliches Vorgehen gegen Hillary Clinton ist so sehr ein Tabubruch wie ein Ablenkungsmanöver von den Enthüllungen über eine Koordination zwischen Donald Trump Junior und Wikileaks.

Die zu einem Werkzeug der russischen Geheimdienste verkommene Plattform stand während der heißen Phase des Wahlkampfs in direktem Kontakt mit dem Präsidenten-Sohn. Donald Junior war erst im Juli ertappt worden, wie er ein Treffen mit einer Emissärin Moskaus im Trump-Tower koordinierte. Damit findet sich Sohnemann nun im Zentrum der Affäre wieder, die mit jeder neuen Enthüllung gefährlicher für den Präsidenten wird.

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