Kommentar

Unverständlich und gefährlich

Detlef Drewes zur Reform des EU-Urheberrechts

 

Es ist ein seltsames, ja unverständliches Votum. Wann immer die EU gegen Google und andere große Internetplattformen vorgeht, stehen die Europa-Parlamentarier in der ersten Reihe, um für faire Marktbedingungen zu kämpfen. Doch beim Urheberrecht kneifen sie.

Dabei ist der Unterschied zwischen einem Raubkopierer und manchem großen Nachrichten-Portal zumindest unter dem Aspekt des Copyrights gering: Die angesprochenen Konzerne nutzen Algorithmen, die das Netz nach lesens- und sehenswerten Inhalten durchforsten, kopieren diese auf eine Seite und schaffen so ein kostenloses, attraktives Umfeld für ihre Werbekunden.

Das darf niemand wollen. Ein faires Lizenzierungssystem für geschützte geistige Inhalte – und genau das sind Texte, Fotos und Videos, die von Verlagsmitarbeitern wie Journalisten, Autoren und Künstlern geschaffen werden – würde die umstrittenen Upload-Filter überflüssig machen. Das ist der Weg, den die Union gehen sollte.

Wenn es um das Marktverhalten der großen Plattformen geht, rufen viele schnell nach Rahmenbedingungen, die den Wettbewerb sichern. Die Internet-Steuer ist ein Beispiel dafür. Sie soll sicherstellen, dass Onlineprodukte nicht gegenüber dem stationären Handel bevorzugt werden. Doch wenn es um das geistige Eigentum geht, ist von Fairness plötzlich keine Rede mehr.

So entsteht eine Schieflage zuungunsten der Schöpfer geistiger Leistungen, die gefährlich ist. Weil das Netz nicht nur von Algorithmen lebt, sondern auch von den Inhalten. Und die gibt es nur, wenn ihre Schöpfer fair honoriert werden – und jene, die die Werke zur Verfügung stellen, ebenfalls.

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