Kommentar

Verantwortungslos

Archivartikel

Larissa Hamann zu den erneuten Corona-Ausbrüchen bei Schlachtbetrieben: Langfristig müssen die Verbraucher ihren Konsum ändern

Wieder Dutzende neue Corona-Fälle, wieder in einer Schlachterei. Haben die Betreiber nichts aus den deutschlandweiten Ausbrüchen im April und Mai gelernt? Dass die Arbeitsbedingungen in vielen Unternehmen schlecht sind, ist bekannt – schon längst vor der Corona-Pandemie. Nach den bereits bekannt gewordenen Ausbrüchen nicht ausreichend Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter zu ergreifen ist nur eines: fahrlässig.

Doch einfach nur die Industrie zu verteufeln, ist zu leicht. Die ökonomisch handelnden Unternehmen würden schließlich nicht unter widrigen Bedingungen für Menschen und Tiere produzieren, wenn es dafür auf dem Markt keine Nachfrage gäbe. Solange wir im Supermarkt 500 Gramm Schweinefleisch für 2,50 Euro kaufen, werden die Unternehmen für diesen Preis Fleisch herstellen. Denkt man nur einen Moment darüber nach, wie billig das ist, wird klar, dass weder die Schweine, Hühner und Rinder gut behandelt werden noch die Arbeiter, die das Fleisch verarbeiten.

Die Politik hat – angestoßen von den Ausbrüchen vor einigen Woche – schon Konsequenzen gezogen: Ein Gesetzentwurf von Arbeitsminister Hubertus Heil sieht vor, insbesondere Werkverträge in der Branche zu verbieten. Und soll so schlechte Arbeitsbedingungen der Angestellten von Sub-Unternehmen – oft aus dem Ausland – vermeiden. Das Gesetz könnte ab 1. Januar 2021 gelten – vorausgesetzt, es schafft es durch den Bundestag und Bundesrat. Massive Kritik kam schon von der Branche. Und selbst wenn das Gesetz ab nächstem Jahr gilt, wer weiß, in wie vielen Fleischbetrieben das Virus bis dahin gewütet hat.

Kurzfristig hilft nur eines: Die Fleischbetriebe müssen sofort ihre Mitarbeiter vor weiteren Infektionen schützen! Auch um die gesamte Bevölkerung vor einer Ansteckung zu bewahren. Auf dem Spiel steht das Leben Tausender.

Langfristig müssen wir Verbraucher Verantwortung übernehmen. Selbst wenn das Gesetz am 1. Januar 2021 steht und juristisch Bestand hat, viele Betriebe werden auch dann Möglichkeiten finden, unter schlechten Bedingungen zu produzieren. Das wird nur ein Ende haben, wenn die Nachfrage nach Billigfleisch zurückgeht. Also: Beim Wocheneinkauf diesen Samstag lieber vier oder fünf Euro fürs Schweinefleisch ausgeben. Oder einfach mal darauf verzichten und erst wieder nächste Woche Fleisch kaufen.