Kommentar

Verbesserungswürdig

Archivartikel

Heike Rentsch sieht trotz des eher positiven Fazits der Studie der Bertelsmann Stiftung viele Baustellen bei der Kinderbetreuung

So negativ es klingen mag: Berufstätige Eltern müssen schon froh darüber sein, wenigstens eine halbwegs verlässliche Betreuung für ihre Kinder zu finden. Stimmt noch die Qualität des Angebots, ist das fast wie ein Sechser im Lotto. Herrlich, aber selten. Daran ändert auch die Aussage der Studie der Bertelsmann Stiftung nichts, dass sich die Personallage in den Kindertagesstätten bundesweit etwas verbessert hat.

Sicher: Es tut sich einiges. Die frühkindliche Bildung, die in Kitas vermittelt werden soll, steht oben auf der politischen Tagesordnung. Bund, Länder, Kommunen und Träger haben in den vergangenen zehn Jahren mehr als 400 000 Betreuungsplätze allein für unter Dreijährige geschaffen.

Das allein reicht aber nicht, um Fehler aus der Vergangenheit wieder gutzumachen. Viel zu lange haben es die zuständigen Stellen verpasst, die Zukunft im Blick zu halten. Seit Jahren steigt die Geburtenrate an, es ist also keine große Überraschung, dass es parallel dazu mehr Fachkräfte braucht – von der Krippe über den Kindergarten bis hin zur Grundschule.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund schätzt, dass der Bedarf bis 2025 auf bundesweit rund 260 000 zusätzliche pädagogische Fachkräfte wachsen dürfte. Aufgrund der Ausbildungszeiten wird das Personal aber nicht da sein – so viel ist jetzt schon klar. Ganz zu schweigen von den Millionenbeträgen, die für das von Experten empfohlene Kind-Fachkraft-Verhältnis benötigt werden.

Noch wichtiger wären jedoch Antworten auf solche Fragen: Wie müssen Erzieher künftig ausgebildet werden? Wie sieht eine faire Bezahlung aus? Hier muss das „Gute-Kita-Gesetz“, das derzeit zwischen Bund und Ländern ausgehandelt wird, Lösungen bringen. Und klar ist: Die Zeit drängt.

 
Zum Thema