Kommentar

Verbraucher in der Pflicht

Archivartikel

Fakt ist: Zur krebserregenden Wirkung von Glyphosat gibt es sehr unterschiedliche Einschätzungen. Die direkte Gefahr für die menschliche Gesundheit dürfte eher gering sein. Fakt ist aber auch: Der Einsatz glyphosathaltiger Unkrautvernichtungsmittel in der Landwirtschaft und in Gärten ist schon aus ökologischer Sicht höchst fragwürdig. Es tötet Pflanzen ab, entzieht damit Insekten und anderen Tieren die Lebensgrundlage, dringt in Böden und Wasser ein. Dass die Zulassung für entsprechende Herbizide in der EU Ende 2022 ausläuft, ist daher wahrscheinlich – und wünschenswert.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Für viele Winzer in der Region wäre ein Verbot ein tiefer Einschnitt. Die Alternative zu Glyphosat – das Entfernen von Beikräutern aus den Weinbergen mit Maschinen oder gar mit der Hand – ist teuer und aufwendig. Das wird sich im Preis niederschlagen. Die Gefahr besteht, dass einzelne Betriebe schließen müssten, wenn das Verbot kommt. Um das zu verhindern, müssen Verbraucher daher bereit sein, mehr für das Produkt zu zahlen – auch wenn es sich nicht um teuren Bio-Flaschenwein handelt. Die Winzer hätten so viel Unterstützung jedenfalls verdient, schließlich ist der Weinbau in der Pfalz nicht irgendein Wirtschaftszweig. Er ist ein Kulturgut, prägt die Landschaft und ihre touristische Anziehungskraft. Auch das macht den Preis des Weins aus.

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