Kommentar

Verbraucher wird angezapft

Archivartikel

Frank Schumann zum EU-Plan für eine Plastiksteuer

Die von der EU-geplante Plastiksteuer scheint auf den ersten Blick eine gute Idee zu sein: Geldstrafen auf Verpackungsmüll sollten dazu beitragen, die Plastikflut einzudämmen. Zu den vielen noch offenen Fragen bei dem Vorhaben gehört aber unter anderem, wie die EU vermeiden will, dass Hersteller auf andere Materialien ausweichen – die der Umwelt womöglich noch mehr schaden. Der größte Haken an der Brüsseler Idee ist aber offensichtlich, dass wieder einmal der Verbraucher angezapft werden soll. Kein Unternehmen wird freiwillig eine Abgabe zahlen, die sie nicht ganz einfach bis ans Ende der Produktkette weiterreichen kann – an den Endkunden.

Die jetzt erwogene Plastiksteuer ist deshalb schlicht eine neue Geldquelle unter dem Deckmantel des Umweltschutzes. Statt eine Abgabe zu kassieren, sollte die EU überlegen, wie sie gemeinsam mit der Industrie die Abkehr vom Plastik einleiten kann. Es ist illusorisch zu glauben, dass sich Milliarden von Konsumenten weltweit mit unverpackten Produkten versorgen lassen. Und in vielen Bereichen – etwa in der Medizin – führt an Verpackungen überhaupt kein Weg vorbei. Deshalb sind Politik und Industrie in der Pflicht, Alternativen zum Plastik zu entwickeln, die den Umweltschutz wirklich voranbringen.

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