Kommentar

Vergangenheit abhaken

Archivartikel

Bettina Eschbacher über die Lage bei Bilfinger

Die Bilfinger-Hauptversammlung war lebhaft, aber das ist der Mannheimer Konzern seit einigen Jahren fast schon gewohnt. Das hat nach wie vor viel mit dem früheren Ex-Chef Roland Koch zu tun. Dieser ist deutschlandweit prominent, hat schon immer polarisiert und ist bei Bilfinger als Wirtschaftsboss krachend gescheitert. Eine ideale Zielscheibe für frustrierte Aktionäre also.

Allerdings: Roland Koch hat das Unternehmen bereits 2014 verlassen. Doch Bilfinger kann die Jahre der Krise einfach nicht abhaken, weil das Verfahren um Schadenersatzforderungen an Koch und seine Ex-Kollegen noch immer läuft. Und ein Ende oder gar eine gute Lösung sind nicht in Sicht. Die Aktionärsvertreter bemängeln zu Recht, dass Bilfinger sich wegen dieses langwierigen und schlagzeilenträchtigen Verfahrens zu sehr auf die Vergangenheit konzentriert.

Bestes Beispiel dafür ist die gestrige Hauptversammlung: Der Vorstand präsentiert solide Zahlen, hat es geschafft, das Unternehmen zu stabilisieren. Doch es bleiben einige Baustellen, noch ist langfristiges Wachstum nicht gesichert, auch der Aktienkurs ist unbefriedigend. Aber anstatt sich mit diesen wichtigen Zukunftsthemen zu befassen, geht es immer noch um das Thema Schadenersatz.

Natürlich ist das Ganze sehr komplex, auch sind die Vorwürfe gegen die ehemaligen Bilfinger-Manager so gravierend, dass höchste Sorgfalt angebracht ist. Aber der Aufsichtsrat muss das Verfahren jetzt konsequent zu Ende bringen, damit bei Bilfinger endlich Ruhe einkehrt.

 
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