Kommentar

Vergessenes Dorf

Peter W. Ragge befürwortet Rettung der DJK-Halle

Die Wallstadter nennen sich gerne „das vergessene Dorf“. Das ist übertrieben, denn immerhin in die Umgestaltung des Rathausplatzes und die Sanierung des Rathauses hat die Stadt 2011 investiert. Aber viel mehr fällt einem, von Pflichtaufgaben abgesehen, nicht ein. Dabei handelt es sich um den am schnellsten wachsenden Stadtteil in Mannheim. Hier funktionieren in vorbildlicher Weise die gesellschaftlichen Institutionen, die Vereine und das soziale Leben – noch.

Noch deshalb, weil es da und dort zu bröckeln beginnt. Vereine wie die Brass-Band haben sich aufgelöst, weil Proberäume fehlen. Und auch wenn es übertrieben klingt, ist es wahr: Der Wegfall der DJK-Halle käme in der Tat dem Todesstoß für mehrere Vereine, ja das gesamte gesellschaftliche Leben im Ort gleich, weil es keine räumliche Alternative gibt.

Versprechen gebrochen

Nun kann man beklagen, dass die Kirche das Gebäude abstoßen will. Das passiert ausgerechnet auf Veranlassung einer Erzdiözese, die gerade stolz verkündete, dass sie 160 Millionen Euro Nachforderungen wegen nicht gezahlter Sozialbeiträge problemlos aus den Rücklagen entnehmen kann. Die reiche Kirche entzieht damit ausgerechnet einem katholischen Sportverein die Existenzgrundlage und entfernt sich immer mehr von der Basis, wenn sie keinen Raum mehr bietet, dass Menschen sich bei ihr zu Hause fühlen und treffen können.

Doch jetzt ist die Stadt gefordert. Ob Schönau, Sandhofen, Waldhof, Gartenstadt, Feudenheim, Käfertal, Vogelstang, Rheinau, Neckarau und Neckarstadt – überall gibt es bürgerschaftliche Zentren, von der Stadt geschaffen und von den Vereinen verwaltet. Den Wallstadtern hat man das seit Jahrzehnten auch versprochen, im Ökologischen Neubaugebiet sogar eigens einen Bauplatz freigehalten – und doch das Thema stets wieder vertagt. Die DJK-Halle zu retten, ist sicher günstiger als ein Neubau. Zudem liegt sie im Herzen des Vororts.