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Stefan Vetter befürwortet den neuen Pflege-TÜV sieht damit aber auch mehr Arbeit auf die Pflegeheime zukommen

Schätzungsweise bis zu 300 000 Familien in Deutschland stehen jedes Jahr vor dem Problem, für einen Angehörigen ein geeignetes Pflegeheim finden zu müssen. Die allermeisten sind damit überfordert. Denn einem Heim sieht man nicht auf den ersten Blick an, ob es gut oder schlecht ist. Um den Betroffenen die Entscheidung zu erleichtern, wurde schon vor zehn Jahren der sogenannte Pflege-TÜV eingeführt. Aber dieses System hat versagt. Denn selbst grottenschlechte Einrichtungen bekamen vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen noch gute Noten.

Von der Erkenntnis, dass diese Praxis unhaltbar ist, bis zur Einführung eines neuen Bewertungssystems ist nun allerdings noch einmal viel Zeit vergangen. Doch besser spät als nie. Zweifellos ist das neue Verfahren deutlich verlässlicher, um Qualitätsmängeln bei der stationären Pflege auf die Spur zu kommen. Bislang konnten solche Defizite zum Beispiel durch einen vorbildlichen Speiseplan wettgemacht werden. Solche Absurditäten wird es künftig zum Glück nicht mehr geben.

Maßgebend für die Heimbewertung ist künftig zum Beispiel die Frage, wie es um die Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen steht, ob sie sich im Bett mangels Fürsorge wund liegen, oder ob ein Gewichtsverlust eingetreten ist, der womöglich auf eine ungeeignete Ernährung zurückgeht. All das ist richtig und wichtig.

Auf der anderen Seite kommt damit auf die Pflegeheime aber auch ein deutlich höherer Dokumentationsaufwand zu. Mitarbeiter müssen geschult werden. Und spätestens hier beginnen die Probleme. Denn das Pflegepersonal ist vielerorts ohnehin schon knapp bemessen. In aller Regel dürfte die Heimqualität auch dort am besten sein, wo es genügend Mitarbeiter gibt, die sich um die Behandlung von Schmerzen oder den Erhalt der Mobilität von Pflegebedürftigen kümmern können.

Die Personalkosten wiederum sind der mit Abstand größte Kostenblock für die Heimbetreiber. Das bekommen die Pflegebedürftigen auch im eigenen Portemonnaie zu spüren. So könnte dann die paradoxe Situation eintreten, dass man dank des neuen Pflege-TÜVs eine ordentliche stationäre Einrichtung gefunden hat, diese aber nicht mehr bezahlen kann.

So überfällig der neue Bewertungsmaßstab ist, so notwendig ist es, sämtliche Konsequenzen politisch in Betracht zu ziehen. Ohne eine grundlegende Finanzreform, bei der am Ende auch Steuergelder fließen müssen, wird eine qualitativ hochwertige Pflege in Deutschland nicht zu organisieren sein. Da tut es auch erst einmal wenig zur Sache, ob der neue Pflege-TÜV nun gut oder weniger gut verständlich ist. Eine gute Pflege sollte sich im Bedarfsfall jedenfalls jeder Mensch leisten können.

 
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