Kommentar

Vernünftig gehandelt

Stefan Vetter zur Anhebung des Mindestlohns

Auf den ersten Blick sind die Zeiten denkbar schlecht für eine Anhebung des Mindestlohns. Wegen der Corona-Krise kämpfen zahlreiche Unternehmen um ihre Existenz, dürften sich viele Beschäftigte schon glücklich schätzen, überhaupt ihren Arbeitsplatz zu behalten. Lohneinbußen, sprich Kurzarbeitergeld, sind jetzt vielerorts das Gebot der Stunde, um Jobverluste zu vermeiden. Da wäre es der Arbeitgeberseite sicher am liebsten gewesen, in Sachen Lohnuntergrenze bliebe alles so wie gehabt.

Nur ist das eben auch kurzsichtig. Denn die Krise ist von globaler Natur. Mit seiner traditionell starken Exportindustrie allein wird Deutschland schwerlich wieder auf die Beine kommen. Nötig ist auch eine spürbare Ankurbelung des privaten Konsums. Hier muss es vor allem um jene Haushalte gehen, die finanziell gerade so über die Runden kommen und deren Budget weitestgehend in den täglichen Bedarf fließt. Zugespitzt kann man es auch so sehen: Noch nie war eine Anhebung des Mindestlohns so wichtig wie jetzt. Dass diesmal besonders hart um seine neue Höhe gerungen wurde, konnte nicht überraschen. Möglich wurde die Einigung nur, weil die Vertreter von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gleichermaßen vernünftig gehandelt haben. Mit der Stufenlösung können beide Seiten ihr Gesicht wahren.

 
Zum Thema