Kommentar

Verständlicher Aufstand

Anke Philipp über nächtliche Ruhestörungen

Das hat es in den vergangenen Jahrzehnten nicht gegeben: einen Aufstand der Bewohner im Jungbusch. Jene Mannheimer also, die, was Zuwanderung und andere Herausforderungen angeht, als besonders duldsam und tolerant gelten. Seit die Stadt beschloss, das ehemalige Hafenviertel nicht abzureißen, sondern aufzuwerten, standen sie meist hinter den jeweiligen Konzepten, die im Rathaus als städtebauliche Wiederbelebung des heruntergekommenen Rotlichtbezirks erdacht wurden.

Was sich die Engagierten in ihren schlimmsten Träumen kaum ausmalen konnten: Nun droht dem Wandel der Wandel, steht Erreichtes auf der Kippe, droht das Treiben im Jungbusch, der mehr und mehr als hippe Ausgehmeile der Region gilt, auszuufern. Was sich Partygängern beim Kulturfest Nachtwandel bietet, möchten sie auch unter dem Jahr erleben – sich nach Lust und Laune und ohne Rücksicht auf andere auszutoben, gehört wohl dazu. Die Folgen liegen auf der Hand: immer mehr Veranstaltungen, mehr Gäste, mehr Kneipen, mehr Taxis. Ein Zurück erscheint da fast ausgeschlossen.

Die Aktiven vor Ort haben sich die Aufwertung ihres Wohnumfelds jedenfalls so nicht vorgestellt. Dass sie nun die Geduld verlieren und auf die Barrikaden gehen, ist verständlich. Man wird sich entscheiden müssen, ob der Jungbusch für Kinder, Jugendliche und Familien noch als Platz zum Leben taugt.

 
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