Kommentar

Verstärkung mit Vernunft

Marc Stevermüer zu den Transfers des FC Bayern

Wenn selbst der FC Bayern am letzten Tag vor dem Ende der Transferfrist noch auf die Schnelle ein paar Spieler verpflichtet, dann läuft irgendetwas nicht normal. Für dieses hektische Geschacher auf den letzten Drücker war der Rekordmeister noch nie zu haben, was ja durchaus von Vorteil sein kann. Man denke da nur an manch ein streikendes Faxgerät, das einen Wechsel verhinderte. Oder an die Spielerfrauen. So sagte Beatrix, die Gattin von Valdas Ivanauskaus, einst zu ihrem Mann: „Ich liebe dich, aber ich kann nicht in Wolfsburg leben.“ Wer will es ihr verdenken?

In München lässt es sich hingegen ganz gut aushalten – und doch musste der Triple-Gewinner in diesem Jahr bis zum Schluss mächtig um Neuzugänge werben, was vor allem einen Grund hat: Corona macht selbst den superreichen Münchnern zu schaffen.

Kader-Lücken geschlossen

Von Grenzen bei „verschiedenen Transfers“ sprach Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic in dieser Woche. Er nannte keine Namen, dürfte aber ziemlich sicher Callum Hudson-Odoi, Andrej Kramaric und Sergino Dest gemeint haben. Alle hätten die Münchner gerne gehabt – aber eben nicht um jeden Preis. Wirtschaftliche Vernunft bleibt in diesen unsicheren Zeiten die oberste Maxime. Es ist bestimmt nicht die schlechteste Idee.

Und so verstärkten sich die Bayern kurz vor dem Ende der Wechselfrist im Rahmen des Möglichen, nachdem zuvor mit Leroy Sané ein absoluter Topmann gekommen war. Der Kern des Teams steht ohnehin, mit Bouna Sarr, Eric Maxim Choupo-Moting, Douglas Costa und Marc Roca kamen für vergleichsweise kleine Summen sinnvolle Kader-Ergänzungen dazu.

Ob jeder aus diesem Quartett auch in der Lage ist, bei längerfristigen verletzungsbedingten Ausfällen von Leistungsträgern wie Robert Lewandowski oder Joshua Kimmich ein halbwegs adäquater Ersatz zu sein, sei einmal dahingestellt. Wahrscheinlich nicht, was in dieser Mammut-Saison, in der die Spieltaktung als ein Attentat auf die Gesundheit der Profis durchgeht, durchaus zu Problemen führen könnte. Einen Vorwurf dürfte man in diesem Fall dem ansonsten häufig kritisierten Salihamidzic trotzdem nicht machen. Er hat die Kader-Lücken quantitativ geschlossen, nichts anderes war sein Auftrag – und einfach auch nicht möglich.

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