Kommentar

Viel heiße Luft

Archivartikel

Martin Geiger über das neue Klimabündnis

Wenn ein Umweltminister ein halbes Jahr vor einer Wahl ein „Klimabündnis“ präsentiert, das auf freiwilligen Selbstverpflichtungen beruht, darf man schon mal skeptisch sein. Zumal, wenn viele beteiligte Unternehmen dem Land selbst gehören oder, wie im Falle von SAP, die Vereinbarung keinerlei zusätzliche Folgen hat – außer dass der prestigeträchtige Name des Weltkonzerns die ministerielle Mitteilung ziert und irgendwo in einem schicken Raum in Walldorf ein weiteres Zertifikat hängt. Es wird also viel heiße Luft mit der Luft gemacht.

Auch die MVV hat ihr oberstes Klimaschutzziel mit dem Beitritt zum Bündnis nicht verschärft: Die Mannheimer planen weiter, bis 2050 klimaneutral zu sein – während etwa die EnBW am Dienstag erklärte, dies bereits bis 2035 erreichen zu wollen.

Doch es darf nicht nur darum gehen, wer am schnellsten der „grünste“ Konzern des Landes ist. Klimaschutz ist wichtig, aber Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit sind es auch. Diesen schwierigen Spagat bei der Energiewende meistert die MVV, auf Basis der vorhandenen, nicht ganz einfachen Bedingungen, seit Jahren – auf transparente, nachvollziehbare und verantwortungsbewusste Weise. Und das ist viel entscheidender und wichtiger als jede noch so großspurige Ankündigung.

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