Kommentar

Viel zu zaghaft

Archivartikel

Tatjana Junker zum Gesetz gegen Lohnungleichheit

 

Was hat man sich auf die Schulter geklopft. Mit dem neuen Entgelttransparenzgesetz, so schwärmte Ex-Bundesfamilienministerin Katarina Barley noch im März, habe man ein „wichtiges Werkzeug“ geschaffen, um die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern zu bekämpfen. Dabei war damals schon absehbar, dass der zwischen Union und SPD mühsam ausgehandelte Kompromiss eher in die Kategorie „Samthandschuh“ statt „harte Bandagen“ fällt. Dass das Regelwerk in der Praxis kaum etwas an der Lohnlücke zwischen den Geschlechtern ändern wird, scheint sich nun zu bestätigen.

Zum einen ist das Gesetz – auch auf Druck der Wirtschaft – so konzipiert, dass es für zwei Drittel aller arbeitenden Frauen sowieso nicht gilt. Zum anderen fehlt es an wirksamen Sanktionen für Firmen, die weibliche Angestellte tatsächlich schlechter bezahlen als männliche Kollegen in vergleichbarer Position. Ihnen drohen zwar theoretisch Klagen durch einzelne Mitarbeiterinnen. Aber wie viele Frauen werden es in der Praxis tatsächlich wagen, gegen ihren Chef vors Arbeitsgericht zu ziehen?

Mit dem viel zu zaghaften Gesetz verpasst Deutschland deshalb wieder einmal eine Möglichkeit, die Chancengleichheit wirklich voranzubringen. Dass der Kampf darum mit scharfem Schwert geführt werden muss, zeigt ein Blick auf das Thema Frauen in Führungspositionen. Auch hier setzt man seit Jahren darauf, dass sich die Wirtschaft freiwillig bewegt, zumindest bei der Besetzung von Vorstandsposten – mit bekanntermaßen dürftigen Ergebnissen.

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