Kommentar

Virus bedroht die Langeweile

Archivartikel

Jan Kotulla über die Herausforderungen in der Formel 1

Einiges hatte auf ein großes Finale hingedeutet, bevor 2021 eine grundlegende Reform die Machtverhältnisse hätte durcheinanderwirbeln können. Das hat stattdessen ein kleines Virus bereits vor Saisonbeginn geschafft. Covid-19 sorgt dafür, dass das China-Rennen verschoben wurde. Ein Ersatztermin wird schwer zu finden sein, bei einem vollgequetschten Kalender mit 22 Rennen. Die Scheichs in Bahrain wollten sich diese Blöße nicht geben, sie lassen den Formel-1-Zirkus lieber vor leeren Rängen fahren. Viel spannender ist jedoch, wie die italienischen Behörden mit dem Virus umgehen. Ferrari wurde ein Sonderstatus eingeräumt. Die Region um Maranello ist dicht, aber das Team durfte trotzdem nach Australien fliegen.

Eine weitere Extrawurst bekamen die Roten bereits von der FIA gebraten. Ausgerechnet ein Ex-Ferrari-Chef als Boss des Weltverbandes schloss trotz eines möglichen Betrugs an den Motoren hinter verschlossenen Türen ein fragwürdiges Abkommen mit dem Rennstall ab und ließ ihn ungestraft davonkommen. Nicht alle Funktionäre scheinen begriffen zu haben, dass die Zeiten von Bernie Ecclestone und seinen halbseidenen Machenschaften der Vergangenheit angehören.

Wie es anders geht, hat Mercedes gezeigt. Bevor die Silberpfeile der Konkurrenz mit dem „Flugzeug-Modus“ am Lenkrad erneut ein Schnippchen geschlagen haben, holte man sich bei der FIA grünes Licht.

Der technische Kniff könnte mit dafür sorgen, dass Mercedes die Saison einmal mehr als Überflieger beendet. Da mit dem faktisch degradierten Sebastian Vettel nur noch ein deutscher Fahrer im Feld ist und es kein deutsches Rennen gibt, geben ausgerechnet die Nachbarn aus Holland Grund zur Hoffnung auf etwas Spannung. Das Rennen in den Dünen von Zandvoort ist restlos ausverkauft. Nicht nur die Oranjes wollen sehen, wie sich Max Verstappen auf dem Kurs mit den neuen Steilkurven schlägt und ob der 22-Jährige den Platzhirsch ärgern kann. Von Ferrari erwarten das die Wenigsten. Zu oft sah es vor der Saison gut aus, bevor dann sehr schnell die Luft ausging.