Kommentar

Völlig außer Kontrolle

Archivartikel

Thomas Spang zum Konflikt zwischen Iran und den USA: Von negativen Folgen ist besonders Europa betroffen

Das Schlagen der Kriegstrommeln wird lauter. Anders lässt sich die verbale Eskalation zwischen Iran und den USA kaum erklären. Während die Mullahs vor der „Mutter aller Kriege“ warnen, droht US-Präsident Donald Trump in Großbuchstaben vor Konsequenzen, „wie sie wenige zuvor in der Geschichte erleiden mussten“. Wie bei den Handelskonflikten geht auch in diesem Fall die Aggression von der Politik des „Amerika zuerst“-Präsidenten aus.

Gegen den ausdrücklichen Wunsch seiner Verbündeten hatte Trump im Mai einseitig das Atomabkommen mit Iran aufgekündigt. Seitdem versucht Washington, die Vertragspartner zu nötigen, die Sanktionen gegen das Regime wieder in Kraft zu setzen. Die USA zielen dabei auf Irans Haupteinnahmequelle. Schon jetzt klettert der Ölpreis in die Höhe, weil die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) kaum hinterherkommt, die erwarteten Ausfälle zu kompensieren. Trump bringt die Europäer damit in eine wenig komfortable Lage. Sie müssen nicht nur mit ansehen, wie ihr diplomatisches Kronjuwel auf dem Müllhaufen der Geschichte landet. Europäische Firmen geraten darüber hinaus selber ins Visier der USA.

Zusammen mit den unnötigen Handelskonflikten, die Trump vom Zaun gebrochen hat, könnte das nicht minder verkehrte Ölembargo gegen Iran die globale Konjunktur abwürgen. Völlig außer Kontrolle geraten dürfte die Situation, wenn Iran das Nadelöhr der Energieversorgung in der Straße von Hormus blockiert. Die Gefahr ist real, dass sich das Trommeln der Krieger dann zu einem heißen Konflikt verwandelt – mit dem Risiko eines Flächenbrands im Mittleren Osten.

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