Kommentar

Völlig verblendet

Katrin Pribyl über die Abstimmung im britischen Parlament

Die Brexit-Hardliner hatten die historische Chance, ihren Traum von der vermeintlichen Unabhängigkeit Großbritanniens zu verwirklichen. Sie haben sie nicht wahrgenommen, sondern stimmten gegen den von Premierministerin Theresa May mit Brüssel ausgehandelten Deal. Was für eine Farce. Da lamentierten sie auch gestern über Kleinigkeiten, verharmlosten abermals das Problem der Grenze auf der irischen Insel und verfingen sich in Details anstatt ihr großes Ziel im Auge zu behalten.

Wieder einmal haben die Europaskeptiker gezeigt, dass sie unfähig sind, Verantwortung für ihre Entscheidungen zu übernehmen. Nein, sie gefallen sich in der Rolle der Rebellen und wollen diese auch nicht ablegen. Anders kann ihr Abstimmungsverhalten beim historischen Votum am Dienstagabend nicht verstanden werden. Die Möglichkeit, dass der EU-Austritt ganz vertagt wird, ist damit genauso gestiegen wie die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer weitaus softeren Form der Scheidung kommt.

Die Frage darf erlaubt sein, ob die lautstarken Schreihälse es ernst meinen mit ihren Forderungen nach einem Bruch mit der Union. Oder gefallen sie sich nicht vielmehr in der Rolle der Brextremisten, die angeblich für alle Europaskeptiker eintreten, aber die Realität vor allem und auf beinahe bemerkenswerte Weise ausblenden?

Von Ideologien getrieben und verblendet träumen die Hardliner von alten Zeiten, die es nur leider nie gab und versprechen gleichwohl den Bürgern eine neue Ära außerhalb der EU, in der in ihrer Vorstellung Milch und Honig durch die Straßen Großbritanniens fließen. Was aber, wenn das Königreich tatsächlich aus der Gemeinschaft scheidet und das Land unsanft in der Wirklichkeit landet, wie beinahe alle Experten Großbritannien prophezeien? Es würde schmerzhaft werden für die Briten.