Kommentar

Vollgas bis zum letzten Tag

Archivartikel

Bertram Bähr zur Amtszeit von Dezernentin Ulrike Freundlieb

Acht Tage ist Bürgermeisterin Ulrike Freundlieb noch im Amt – auch wenn sie am Mittwoch offiziell Abschied nahm. Es ist ganz und gar nicht ihr Ding, die letzte Woche ruhig angehen zu lassen. An diesem Donnerstag stellt die 66-Jährige den ersten Mannheimer Kinder- und Jugendgesundheitsbericht vor. Unmittelbar danach leitet sie den Bildungsausschuss des Gemeinderats. Am Montag reist sie zu einer Fachkonferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung nach Berlin. Thema: Schulen in herausfordernden Lagen. Mit anderen Worten: Ulrike Freundlieb gibt Vollgas, wie eigentlich immer in den acht Jahren, in denen sie das Bildungsdezernat leitete.

Sie hatte mit vielen komplexen Themen rund um Jugend und Gesundheit, Schulen und Kindergärten zu tun. In aller Regel war sie bis ins kleinste Detail top informiert, ihr Dezernat hatte sie im Griff. Die Bürgermeisterin legte die Messlatte für sich selbst hoch, arbeitete 150-prozentig, gab alles. Genau das erwartete sie allerdings auch von anderen. Aber nicht jeder konnte ihren Vorstellungen von Effizienz und Arbeitsintensität gerecht werden. Reibungspunkte blieben da naturgemäß nicht aus.

Gerieben hat Ulrike Freundlieb sich bisweilen auch daran, dass andere ihre Vorstellungen nicht teilten. Wenn etwa Schulleiter oder Eltern aus ihrer Sicht berechtigte Interessen vertraten, die der Linie der Bürgermeisterin zuwiderliefen, reagierte sie mitunter brüsk. Manch einer fühlte sich da vor den Kopf gestoßen. Ihr Nachfolger Dirk Grunert wird wohl einen etwas konzilianteren Ton an den Tag legen.

Die inhaltlichen Schwerpunkte der beiden sind dagegen nahezu identisch: Ausbau der Kitaplätze, Ganztagsschulen und Unterstützungssysteme – alles unter der großen Überschrift, mehr Bildungsgerechtigkeit zu erreichen. Manches liegt nach wie vor im Argen. Aber dass Mannheim auf diesem Weg dennoch schon sehr weit vorankommen konnte, ist zu einem großen Teil das Verdienst von Ulrike Freundlieb. Im Rahmen der begrenzten finanziellen Möglichkeiten, die ihr der Gemeinderat gab, hat sie für ihre Anliegen gekämpft. Und kämpft weiter – bis zum letzten Tag.