Kommentar

Vom Erfolg überholt

Thorsten Langscheid über die Spontan-Radler

 

Eine Critical Mass, bei der die Route feststeht und die Polizei den Verkehr regelt? Undenkbar, das wäre dann ja eine ganz normale Fahrraddemo, und gerade keine Spontanaktion mehr, bei der es keinen Veranstalter oder Verantwortlichen gibt. Deswegen ist die Aufregung bei den eingefleischten Velo-Spontis darüber, dass die Stadt ihre fast schon traditionellen Ausfahrten in Zukunft nach dem Versammlungsrecht als Demonstrationszug einstuft, groß. Sie brauchen dann einen verantwortlichen Anmelder und müssen sich an die Vorgaben der Behörden halten.

Immerhin kann sich die Critical-Mass-Szene zu Gute halten, dass die Aktionen in zehn Jahren friedlich und weitgehend unfallfrei über die Bühne gingen. Dass die Behörden jetzt strengere Maßstäbe anlegen, empfinden deshalb viele als Schikane. Doch die Szene wurde letztlich vom eigenen Erfolg überholt. Ihre Grundforderung nach Gleichberechtigung des Radverkehrs ist längst politischer Mainstream - weswegen auch die Teilnehmerzahlen bei den Spontantouren immer weiter steigen. Versammlung oder nicht - ab 100 Radlern verlangt auch die Straßenverkehrsordnung eine behördliche Erlaubnis fürs Fahren im Pulk.