Kommentar

Vor dem Nichts

Stefan Proetel zur schwierigen Lage der Gastronomen und Händler in Corona-Zeiten.

Die Türen abgeschlossen, die Stühle hochgestellt auf die Tische – ein trauriger Anblick. Natürlich: Für uns, die Konsumenten, die ab und an mal essen gehen oder sich mit Kumpels auf ein Bier verabreden, ist das sehr schade. Gaststätten, Cafés, Bars, Kneipen sind Orte, in denen es schmeckt, in denen man Freunde trifft, sich austauscht und kulinarisch verwöhnen lässt. So weit diese Sicht. Es ist die Sicht, die verschmerzbar ist, die mit Blick auf die andere Seite sogar völlig belanglos ist. Und die wir hier getrost vernachlässigen können.

Die andere Seite, das sind die Gastronomen – und natürlich die vielen Einzelhändler, über die wir gestern an gleicher Stelle groß berichtet haben. Es gibt eine Menge Verlierer in diesen bizarren Zeiten. Ein Virus, das sich rasend schnell über den Kontinenten verteilt, verlangt drastische Maßnahmen, um medizinisch nicht die Kontrolle zu verlieren. So drastisch, dass auch in unserer Stadt viele Menschen plötzlich vor dem Nichts stehen. Kein Umsatz mehr, dafür Mieten und andere laufende Kosten, die das Virus nicht stoppt. Solidarität ist deshalb gefragt. Aus diesem Grund transportieren wir gerne Adressen von Gastronomen und Händlern, die trotz allem Wege finden, ihre Leistungen anzubieten. Das alles nutzt aber nur, wenn die Bürger das auch annehmen. Und vielleicht noch einen Schritt weitergehen. Wie Friedrich Körner aus Neuostheim, der dem Thai-Imbiss in seinem Haus die April-Miete erlässt. Eine schöne, eine noble Geste.

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