Kommentar

Vorbereiten auf das Schlimmste

Rolf Obertreis zur Risikovorsorge bei den Banken

Man muss nicht so skeptisch sein wie Andrea Enria, Chef der europäischen Bankenaufsicht. Der Italiener befürchtet bei einer zweiten Infektionswelle und strengen Eindämmungsschritten eine Pleitewelle sowie faule Kredite bei europäischen Banken im riesigen Volumen von 1,4 Billionen Euro. Das wäre deutlich mehr als nach der Finanzkrise 2008. Man muss hoffen, dass es nicht so kommt – auch mit Blick auf die Menschen –, wie Enria es an die Wand malt.

„Hoffe auf das Beste, bereite Dich auf das Schlimmste vor“, lautet ein englisches Sprichwort. Banken, vor allem kleinere und damit auch Volksbanken und Sparkassen, sollten sich danach richten. Auch wenn viele Ökonomen glauben, dass es hierzulande nicht zu einer Pleitewelle kommt. Und auch die Geldhäuser intern versichern, die Mehrzahl ihrer Kunden sei solide, deshalb könne nicht viel passieren. Aber oft schon lagen Ökonomen mit ihren Prognosen daneben.

Zwar mag die Konjunktur das Corona-Tief durchschritten haben und wieder nach oben zeigen. Aber nach wie vor fehlen wichtige Impulse aus dem Export. Zudem ist das Pleite-Bild derzeit positiv verzerrt. Die Pflicht auf Insolvenzanmeldung ist seit März und noch bis Jahresende ausgesetzt. Die Unsicherheit ist also hoch. Banken, Volksbanken und Sparkassen sollten das verstärkt im Blick haben und ihre Risikovorsorge weiter ausbauen. Das schmälert zwar den Gewinn und damit Ausschüttungen an Aktionäre und Mitglieder. Aber auflösen lassen sich Rückstellungen schnell. Das geliehene Geld für einen am Ende faulen Kredit aber ist weg. Für immer. Und es ist übrigens nicht das Geld der Bank, Volksbank oder Sparkasse – es ist Teil der Einlagen von Kundinnen und Kunden.

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