Kommentar

Vorbildlich

Archivartikel

Gerhard Kneier lobt die geordnete Neubesetzung des hessischen SPD-Vorsitzes

Mit der Wahl von Nancy Faeser zur Vorsitzenden und mit weiteren personellen und programmatischen Zeichen der Erneuerung hat die hessische SPD am Wochenende die Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden bei der letzten Landtagswahl in Hessen gezogen.

Sie tat es ziemlich genau ein Jahr nach der verlorenen Wahl, für die der jetzt ausgeschiedene Thorsten Schäfer-Gümbel die Verantwortung übernahm, auch wenn er gewiss nicht die Alleinschuld daran trägt.

Den Wechsel vollzog die Landespartei in einem absolut geordneten Verfahren ohne verzweifelte Suche nach geeigneten Kandidaten, ohne die Benennung von Bewerberpaaren, die kaum jemand kennt, ohne 23 Regionalkonferenzen und polarisierende Stichwahl. Mit anderen Worten: in dieser Art und Weise des Führungswechsels vorbildlich – ganz im Gegensatz zum quälenden Verfahren bei der Bundespartei.

Dass Faeser bei der Wahl knapp unter der 90-Prozent-Marke blieb, ist nicht mehr als ein Schönheitsfehler. Schließlich gehörte sie ja auch schon vor dem Wahldebakel der Parteiführung an, und dafür sind 88,8 Prozent durchaus noch ein gutes Ergebnis.

Und die im Umgang verbindliche, wenn es darauf ankommt aber kämpferische und rhetorisch versierte neue SPD-Landeschefin hat mit ihrem anderen Stil durchaus Chancen, der Partei wieder neue Wege zu öffnen. Die Forderung nach 13 Euro Mindestlohn klingt zwar etwas populistisch. Dort ebenso wie bei Klimaschutz und 365-Euro-Ticket wieder mehr auf die soziale Karte zu setzen, ist aber gewiss kein Fehler.