Kommentar

Vorsicht geboten

Archivartikel

Wolfgang Mulke über flexiblere Arbeitszeiten

Die Arbeitswelt im globalisierten und digitalisierten Zeitalter ist eine völlig andere als die vor 100 Jahren bei der Einführung des Acht-Stunden-Tages. Insofern ist der Wunsch der Unternehmen nach mehr Flexibilität bei ihren Beschäftigten verständlich. Doch ist Vorsicht geboten, wenn Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer damit gleichzeitig eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie verspricht. Die Praxis zeigt, dass mehr Flexibilität häufig mit höherer Belastung und Verdichtung der Arbeit einhergeht. Eine pauschale Aufweichung der Regelarbeitszeiten kann für viele Beschäftigte erhebliche Nachteile mit sich bringen. Sollten zu starre Vorschriften zu Wettbewerbsnachteilen führen, können betriebsintern in aller Regel angepasste Arbeitszeiten vereinbart werden.

Bislang ist allerdings nicht bekannt, dass Unternehmen allein aufgrund des Acht-Stunden-Tages international nicht mehr konkurrenzfähig wären. Die verträgliche Gestaltung der Arbeitszeit ist ein hohes Gut, das nicht einfach dem Markt geopfert werden darf. Und wie sehr man pauschalen Klagen der Arbeitgeber Glauben schenken darf, zeigt das Beispiel Mindestlohn trefflich. Der von den Unternehmen vorhergesagte Arbeitsplatzverlust ist ausgeblieben. Und die Wirtschaft insgesamt steht besser da als je zuvor.