Kommentar

Vorteil Vettel

Archivartikel

Christian Rotter zur Lage in der Formel 1

Ein Rennen hat alles geändert. Vor dem Großen Preis von Belgien galt Lewis Hamilton als logischer Formel-1-Weltmeister. Der Titelverteidiger war da, wenn es darauf ankam und nutzte die Fehler seines deutschen Widersachers eiskalt aus. Sebastian Vettel ging missmutig in die Sommerpause, weil er wusste, dass er auch wegen eigener Unzulänglichkeiten zu viele Punkte im Kampf um die WM-Krone liegengelassen hatte.

Zunächst schien es auch in Spa so, als würde alles für Mercedes laufen. Vettel dominierte zwar die Trainingseinheiten, aus der avisierten Pole Position wurde allerdings nichts. Hamilton startete von ganz vorne – und dennoch jubelte am Ende der Deutsche.

Vettel verkürzte seinen Rückstand in der Gesamtwertung zwar nur um sieben Zähler auf nun 17 Punkte. Vielmehr als diese nackten Zahlen durften ihn aber die Umstände des Siegs zufrieden stimmen. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke von Spa gilt als Mercedes-Land, in den vergangenen Jahren dominierten die Boliden mit dem Stern in Belgien. Umso erstaunlicher war die Souveränität des Vettel-Triumphs.

Gewonnen hat der gebürtige Heppenheimer damit noch lange nichts. Das Renn-Wochenende hat ihm aber gezeigt, dass der Ferrari-Motor derzeit überlegen ist. Auch beim Heimspiel in Monza, wenn es auf dem nächsten Hochgeschwindigkeitskurs erneut darum geht, wer mehr PS unter der Haube hat, hat er am Sonntag gute Chancen, weiter aufzuholen.

Der Vorteil liegt bei Vettel. Er weiß, dass er diesmal die Schuld nicht auf seinen Boliden schieben kann, sollte es mit dem fünften WM-Titel wieder nichts werden.