Kommentar

Wachsender Unmut

Peter W. Ragge über Proteste an der Basis der Kirche

Erst vor einer Woche sind in Feudenheim Katholiken auf die Straße gegangen. Mit selbst gebastelten Transparenten und Plakaten wandten sie sich gegen den geplanten Verkauf ihres katholischen Gemeindehauses – für den sonst „braven“ Stadtteil eine äußerst ungewöhnliche Aktion. Und jetzt rufen Frauen am Sonntag vor der Jesuitenkirche und damit direkt vor dem Herz des Katholizismus in Mannheim zum deutlichen Protest gegen die Amtskirche und veraltete Vorgaben aus Rom auf.

Beides wäre vor ein paar Jahren noch nicht denkbar gewesen. Und es zeigt: Die kirchliche Basis ist nicht mehr lammfromm, sondern in höchstem Maße verärgert. Und sie lässt sich auch nicht mehr einschüchtern.

Eigentlich sollten Papst und Bischöfe dafür dankbar sein. Statt sich abzuwenden und auszutreten, bekennen sich die Protestierer zu ihrer Kirche. Sie wollen sie und ihre Gebäude erhalten, die völlig überkommenen Strukturen von innen erneuern. Denn an der Basis, wo der Glauben aktiv gelebt, an Kinder weitergegeben und den Nächsten im Sinne Gottes geholfen wird, da ist das Gesicht der Kirche längst weiblich. Die immer weniger werdenden Priester haben ja gar keine Zeit mehr. Beide Protestaktionen sind ein Warnsignal. Wenn die Kirche sich von den Menschen an der Basis zurückzieht, ihre Wünsche ignoriert, schafft sie sich selbst ab – was sehr schade wäre.

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