Kommentar

Warnsignal aus Peking

Archivartikel

Wolfgang Mulke zur Auto-Politik der Regierung Chinas

 

Wenn die chinesische Regierung etwas durchsetzen will, holt sie schon mal den Hammer heraus. Das muss die Automobilindustrie erneut erfahren. Mehr als 550 Automodelle dürfen dort nicht mehr produziert werden, weil sie zu viele Schadstoffe ausstoßen. Dieses Vorgehen ist wohl nur ein Vorbote weiterer Regulierungen im aufstrebenden Riesenreich.

Verständlich ist es durchaus. Die Luftverschmutzung in den Städten des Landes ist so massiv, dass etwas getan werden muss. Das Verbot betrifft zwar nur einen sehr kleinen Teil der Produktion, ist aber ein Beleg für den Willen der Regierung zu einer Verkehrswende im eigenen Land, weg vom Verbrennungsmotor, hin zu emissionsarmen Technologien. Eine Quote für die Zulassung von Elektrofahrzeugen steht ebenso im Raum wie ein völliges Verbot von Verbrennungsmotoren.

Der Schlusstermin für Otto- oder Dieselmotoren ist zwar noch offen. Doch nach den bisherigen Erfahrungen bleibt es nicht bei Ankündigungen. Für die deutschen Autohersteller ist das ein Alarmsignal. Schließlich ruht ein Großteil der Wachstumshoffnungen auf den Schwellenländern, allen voran auf China. Es wird kaum ein festes Datum für das Ende der Verbrennungsmotoren geben, auch wenn sich andere Länder wie Großbritannien, Frankreich oder Norwegen schon in dieser Richtung geäußert haben.

Lobby- und Arbeitsplatzinteressen werden den Zeitpunkt höchstens eine Weile hinauszögern können. Das gilt gerade für den wichtigen Exportmarkt China. Denn die Regierung dort verfolgt noch ein weiteres Ziel. Sie will die heimische Produktion von Elektrofahrzeugen stärken. Die Autoindustrie anderen Herstellerländer muss aufpassen, dass es ihr nicht ähnlich ergeht wie der europäischen Solarindustrie, die durch Billigimporte aus China unterging. Heute mag diese Warnung noch drollig klingen. Das kann sich schnell ändern, wenn die großen Autofirmen sich nicht schnell genug wandeln.

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