Kommentar

Warum nicht früher?

Archivartikel

Rolf Obertreis zur neuen Berechnung der Inflation

Viele Mieter werden sich verwundert die Augen reiben: Was erzählen uns die Bundesstatistiker? Die Mieten sind 2018 nur verhalten gestiegen. Stimmt nicht, sagen viele, die eine neue Bleibe suchen und mit saftigen Mieten konfrontiert werden. Beide haben recht. Privatvermieter, die die große Mehrzahl der Wohnungen besitzen, halten sich mit satten Mietaufschlägen in der Regel zurück. Das drückt in der Statistik den Mietanstieg. Recht haben aber auch die verwunderten Mieter. Wohnungsunternehmen sind bei Mieterhöhungen offenbar weniger zimperlich.

Die Mitarbeiter des Statistischen Bundesamts hätten sich die Verwunderung angesichts gefühlter und tatsächlicher Mietpreise aber ersparen können. Warum haben sie das offenbar weit verbreitete, eher faire Verhalten privater Wohnungseigentümer nicht früher in die Inflationsberechnung einfließen lassen? Schließlich muss es ihnen um eine realistische Darstellung der Verhältnisse gehen.

Die Inflationsrate ist eine zentrale Leitgröße für Politik und Tarifparteien. Für die Europäische Zentralbank (EZB) ist sie sogar eine entscheidende Größe. An der Inflationsrate richtet sie die Geldpolitik und damit den Leitzins aus – der wiederum zentral für Kredit- und Einlagezinsen ist, die Banken den Verbrauchern gewähren.