Kommentar

Joana Rettig warnt vor Tierwohl als reiner Imagekampagne

Was dauert da so lange?

Archivartikel

Warum reden wir noch über das Tierwohl? Eigentlich sind doch alle derselben Meinung. Zumindest im Schein der Öffentlichkeit. Landwirte und Metzger wollen Fleisch verkaufen, das aus guter Tierhaltung stammt. Verbraucher essen angeblich lieber Fleisch von glücklichen Tieren. Und doch: Seit Jahren passiert wenig bis nichts. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) will das mit einer Steuer ändern. Das ist scheinbar ein guter Ansatz. Aber: Erst mal kommt eine Machbarkeitsstudie – Vorschläge zur Umsetzung gibt es im Herbst 2021. Was dauert da so lange?

Dass Klöckner nicht gerade durch ihre Kuschelhaltung zu Tieren glänzt, ist spätestens seit ihrem Fauxpas in einer Kochsendung mit Johann Lafer klar. Sie kaufte Fleisch mit der Haltungsstufe eins – dem Mindeststandard. Eine schlechtere Haltung ist verboten. „Fleisch darf kein Luxus werden“ sagte sie mal. Warum nicht? Weil Fleisch lebenserhaltend ist? Für wen – unsere Spezies oder die Industrie? Letzteres ist wahrscheinlicher.

Der Vorstoß, mit einer Steuer das Tierwohl zu verbessern, wirkt vor diesem Hintergrund eher wie ein PR-Gag. Ähnlich verhält es sich mit Klöckners Wunsch, eine Gassipflicht für Hundehalter einzuführen. Hunde müssen raus, brauchen Auslauf, ja. Wer aber hat bestimmt, dass Hunde bessere, wichtigere Tiere sind als Schweine, Hühner oder Kühe? Denn um ehrlich zu sein: Das sind sie nicht. Eine Diskussion um das Tierwohl darf keine Imagekampagne sein – denn es geht um Leid. Um Leid, das intelligente, trauernde, Schmerz spürende Lebewesen ertragen müssen.

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