Kommentar

Wechsel-Wunsch

Archivartikel

Peter Reinhardt beleuchtet die Gründe für den überraschenden Ausgang der Oberbürgermeisterwahl in Freiburg

 

Die Freiburger OB-Wahl ist eine Klatsche für den abgewählten Dieter Salomon und ein Desaster für die Grünen. Wie oft bei Wahlen ist einiges zusammengekommen, das dem 16 Jahre regierenden Oberbürgermeister eine derartige Abfuhr eingebracht hat. Freiburg geht es insgesamt gut, das Image stimmt, die Stadt wächst. Aber Salomon, der manchmal hart auf der Grenze zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz laviert, konnte den Freiburgern nicht vermitteln, warum er weitere acht Jahre an der Spitze der Stadt gebraucht würde.

Diese Stimmung hat Wahlsieger Martin Horn geschickt aufgenommen. Der junge SPD-Mann hat das Kunststück geschafft, mit wenig Inhalt einen Überdruss an Salomon zu erzeugen.

Entscheidend war der Wunsch nach einem Wechsel. Nach zwei Amtsperioden hat es in Baden-Württemberg schon öfter solche Überraschungen gegeben. Das Freiburger Ergebnis wird bei den Grünen zu neuen Richtungsdiskussionen führen. Die Partei hat sich in der Stadt mit großen alternativen Milieus den Luxus von zwei Gemeinderatsfraktionen erlaubt. Aus dem grün-linken Lager kommt Monika Stein, die Salomon mehr als die Stimmen weggenommen hat, die ihm gestern gefehlt haben. Er hat sich auf sein Bündnis mit dem bürgerlichen Lager verlassen und war damit verlassen.

Schon vor Freiburg ist auf Landesebene beim linken Flügel der Grünen der Zweifel an Winfried Kretschmanns betont bürgerlichem Anstrich gewachsen. Bei einem klaren Wahlsieg wäre Salomon einer der möglichen Nachfolger für den populären Ministerpräsidenten gewesen. Das hat sich nun erledigt. Aber die Debatte um die Neuausrichtung der Südwest-Grünen dürfte nun Fahrt aufnehmen.

Extra peinlich ist der Ausgang in Freiburg für die CDU. Wie schon vor acht Jahren hat die Partei auf einen eigenen Kandidaten verzichtet. Es war eine grobe Fehleinschätzung der Christdemokraten, das Spiel verloren zu geben, bevor es begonnen hatte. Horn hat gezeigt, was möglich ist in einer Stadt wie Freiburg.