Kommentar

Wenig Spielraum

Jürgen Berger zur Kader-Nominierung von Jogi Löw

Dass die DFB-Tür für das Münchner Weltmeister-Trio Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng verschlossen bleibt, war aus der Perspektive von Joachim Löw alternativlos. Anders wäre dem künftigen Kader gegenüber eine klare Linie bei der Zukunftsplanung nicht vermittelbar gewesen – und der Bundestrainer braucht mit Blick auf den Neuaufbau der Nationalmannschaft unbedingt den Rückhalt und das volle Vertrauen der Hoffnungsträger.

Der deutsche Fußball verfügt trotz des WM-Desasters und der enttäuschend verlaufenen Nations League über genügend viel-versprechende Talente – doch Kai Havertz, Leroy Sané, Niklas Süle oder Joshua Kimmich brauchen noch Zeit, um sich auf internationalem Topniveau zu Führungsspielern zu entwickeln. Der Weg zurück in die Welt-Spitze wird dauern und schmerzhafte Rückschläge beinhalten.

Das Reservoir an Hochbegabten ist im Vergleich zu Nationen wie England oder Frankreich begrenzt – das zeigt auch die erstmalige Nominierung von Niklas Stark, Lukas Klostermann und Maximilian Eggestein. Die drei Neuen sind gute Bundesliga-Spieler. Mehr aber aktuell eben (noch) nicht.

Löw hat wenig Spielraum, deshalb braucht er unbedingt die richtige Spielidee, um voranzukommen. Die letzten verbliebenen WM-Säulen Manuel Neuer und Toni Kroos sollen dabei gemeinsam mit Marco Reus und Ilkay Gündogan für die nötige Stabilität sorgen. Angesichts der aktuellen Form von Neuer und Kroos sind aber auch sie nicht länger unantastbar – und das ist gut so.