Kommentar

Wenn alles schiefgeht

Archivartikel

Alexander Müller zur Situation beim 1. FC Köln

Am Anfang war der Spielplan. Dortmund, Gladbach, Bayern – den 1. FC Köln traf es in den ersten Wochen der Saison hart. Die Skeptiker rund ums Geißbockheim ahnten da schon, dass der Aufsteiger wahrscheinlich mit einem überschaubaren Punktekonto in den Herbst gehen würde. Spätestens beim gruseligen 0:4 gegen Hertha BSC hat bei den Kölnern die Eigendynamik des Misserfolgs mit voller Wucht zugeschlagen. „Was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen“ – unter diesem Motto stand der Sonntagabend in Müngersdorf, nach dem die FC-Verantwortlichen vorsorglich wie folgerichtig den Abstiegskampf ausriefen.

Die Hoffnung, dass die fußballerischen Defizite der Vorsaison unter dem neuen Trainer Achim Beierlorzer und mit einigen gezielten Verstärkungen auf Problempositionen verschwinden würden, hat sich nicht bewahrheitet. Vor allem die Defensive, in die schon Beierlorzers Vorgänger Markus Anfang keine Stabilität bekommen hatte, bereitet weiterhin große Sorgen. Aber auch vom zügigen Angriffsspiel, das der neue Kölner Trainer in Ralf Rangnicks Leipziger Fußballschule gelernt hat, ist bisher wenig zu sehen. Trotz Stürmern von der Qualität eines Jhon Cordoba oder Anthony Modeste haben die Rheinländer erst vier Tore erzielt – Bundesliga-Minuswert.

„Dieser FC steht für nichts“, fällte das Fachblatt „Kicker“ bereits ein drakonisches Urteil über den Tabellen-17.. Statt der geplanten stilistischen Weiterentwicklung müssen sich die Kölner Fans schon nach dem sechsten Spieltag auf Abstiegskampf-Fußball einstellen. Beierlorzer wird – alleine schon, um seinen Job nicht noch mehr in Gefahr zu bringen –, erst einmal den Fokus auf die schwächelnde Abwehr legen. Vorne müssen es dann individuelle Klasse oder Standardsituationen richten. Vielleicht hilft ihm dabei in den kommenden Wochen der Spielplan: Nach der Partie auf Schalke geht es gegen Paderborn, Mainz und Düsseldorf. Gegner, die Köln schlagen kann und sollte.