Kommentar

Wer hat’s bezahlt?

Detlef Drewes zur Frage, warum die Verbraucher so wenig über den Nutzen der EU wissen

Europa verhagelt sich seine Erfolgsgeschichten selbst. Das ist die bittere Bilanz dieser und anderer Umfragen. Der Grund: Die EU-Politiker und Vertreter, aber auch die nationalen Politiker schieben gerne die Schuld für etwas, das nicht funktioniert, an die europäische Ebene ab, bei guten Nachrichten stellt man sich selbst ins Rampenlicht.

Dabei hätte die Union genügend Erfolgsgeschichten zu erzählen – beispielsweise die Ankündigung der Forschungspolitiker, die den Zeitpunkt gekommen sehen, um den Bürgern zu versprechen: In zehn Jahren muss kein Kind mehr an Krebs erkranken. Wer weiß schon, wie viel Geld in regionalen Projekten von einer Landesgartenschau bis hin zur Gründung von Start-ups aus Brüssel kommt? Das Wissen ist lückenhaft, weil die Mitgliedstaaten selbst die EU-Beteiligung verschweigen, wenn sie einen Erfolg für sich verbuchen können.

Solche positiven Bilanzen sollen und können nicht die Probleme und Defizite, die Uneinigkeit über Rechtsstaatlichkeit oder eine ausbleibende Lösung der Migrationskrise übertünchen. Aber sie machen klar: Wer nur das, was nicht gelingt, auflistet, übersieht wichtige Errungenschaften für den Bürger und die Verbraucher. Unseriös ist das auf jeden Fall.

Angesichts dieser Situation, die die Verbraucherzentrale mit ihrer Umfrage herausfand, wird es nachvollziehbar, warum die EU-Regierungen und die Institutionen dieser Gemeinschaft so große Angst vor den Populisten haben, die mit ihren Parolen die eigentlichen Gewinne der Union im Wahlkampf herunterreden könnten.

Letztlich wird man solchem Gerede nur dann begegnen, wenn man das Wissen über diese Gemeinschaft und ihren Nutzen erhöht – und zum Beispiel davon erzählt, wie viele Millionen Schüler und Auszubildende im EU-Ausland ihre Ausbildung fortsetzen konnten. Unterstützt mit Geldern aus dem Erasmus-Fonds.