Kommentar

Werben um die Autofahrer

Archivartikel

Walter Serif über die Aussichten der Bahn im Fernverkehr

Für die Bahn ist es wie ein Geschenk des Himmels: Weil die Ferntickets um zehn Prozent billiger werden sollen, dürften künftig mehr Autofahrer den Zug nehmen. Ob sich die Senkung der Mehrwertsteuer so stark auswirken wird, wie es sich der Staatskonzern erhofft, weiß keiner. Die Manager rechnen jedenfalls mit fünf Millionen mehr Passagieren pro Jahr. Und obwohl das Parlament dies erst noch beschließen muss, machen sich die Strategen bereits Gedanken, wie sie den Ansturm auf die Tickets bewältigen können. 30 neue Hochgeschwindigkeitszüge sollen her. Kosten: rund eine Milliarde Euro.

Die Senkung der Mehrwertsteuer war überfällig. Aber selbst fallende Preise können die Vorliebe der Deutschen für das Auto nur begrenzt ändern. Manche rechtfertigen ja ihre Bahn-Abstinenz mit den vielen verspäteten Zügen. Dabei blenden sie aus, dass der Verkehrsfunk doch für die Autofahrer erfunden wurde, die ständig im Stau stehen. Die Vorurteile gegen die Bahn sind so groß, dass es wahrscheinlich nicht ausreichen würde, wenn die ICE pünktlich wären. Die Neukunden würden auch immer funktionierende Toiletten, warmes Essen und kalte Getränke erwarten. Das klingt selbstverständlich, ist es aber leider nicht.

Zum Thema