Kommentar

Wertvoll

Alexander Jungert über Moscheen in der deutschen Gesellschaft - und den notwendigen Dialog zwischen den Religionen

 

Moscheen sind in Verruf geraten. Durch Menschen, die Religion für Gewalt missbrauchen. So wie Anis Amri, der vergangenen Dezember mit einem Lastwagen in einen Berliner Weihnachtsmarkt gerast war, elf Menschen tötete und zig weitere verletzte. Amri hatte sich zuvor in einer Moschee radikalisiert. Solche einzelnen, verwirrten Geister legen einen dunklen Schatten über alle islamischen Gotteshäuser. Das ist ungerecht.

Viele Moscheen in der Region leben seit Jahren vor, dass sie Teil der Gemeinschaft sind. Mittlerweile ist es oft so, dass die Trägervereine von Menschen geführt werden, die größtenteils hierzulande geboren und sozialisiert worden sind. Die Moscheen tauschen sich regelmäßig mit Gemeindeverwaltungen aus, beteiligen sich an Projekten zur Integration junger Muslime, öffnen sich für Bürger. Moscheen sind nicht nur Orte des Gebets, sie sind auch Orte der Begegnung. Und das nicht nur zwischen Muslimen, sondern zwischen allen Religionen. Dieser Dialog ist wertvoll.

In Deutschland gilt Religionsfreiheit, so ist es im Grundgesetz festgeschrieben. Jeder darf seinen Glauben leben, solange er sich an die Verfassung und die demokratischen Grundwerte hält. Um es ganz klar zu sagen: Moscheen, die einen Islam predigen, der auf Abschottung setzt, gegen Frauenrechte, Offenheit und Religionsfreiheit ist und für körperliche Strafen, haben hier nichts zu suchen. Weder in Mannheim, in der Region noch im ganzen Land. Denn Extremismus und Gewalt lehrende Moscheen sind pures Gift. Sie passen nicht in eine liberale Gesellschaft.

Derzeit suchen viele Moscheen in der Region einen neuen Standort oder haben schon einen gefunden, an dem sie sich moderner und schöner präsentieren können. Denn tatsächlich sind einige islamische Gotteshäuser noch in alten Hinterhöfen versteckt. Das ist nicht gerade attraktiv, das wirkt nicht transparent. Genau das müssen Moscheen aber sein.

Sobald sich das Gefühl breitmacht, dass sich eine Gemeinde abschottet und keiner so recht weiß, was hinter den Mauern passiert, entstehen Unsicherheit und Angst. Auch in Mannheim gibt es Moscheen, über die wenig bekannt ist. Weil sie nicht aus der Deckung hervorkommen. Das ist allerdings schlecht.

Nicht jeder muss Moscheen gut finden. Aber: In Deutschland gilt Religionsfreiheit. Keine Religion ist besser oder schlechter als die andere. Jedem steht es übrigens frei, eine Moschee zu besuchen und dort mit Gemeindemitgliedern zu reden. Meistens wirkt das Fremde dann gar nicht mehr so bedrohlich. Im Gegenteil - vielleicht sogar bereichernd.