Kommentar

Wertvolle Zeit verloren

Archivartikel

Ulrike Bäuerlein zur Schule nach dem Lockdown

Das war abzusehen: Ungeachtet der gegenteiligen Ankündigung der Kultusministerin werden die Schulen auch in Baden-Württemberg auf längere Zeit keinen Regelbetrieb anbieten können. An eine Rückkehr zur Unterrichtsnormalität am kommenden Montag ist nicht zu denken. Alles andere wäre angesichts der anhaltend hohen Infektionszahlen und einer Verlängerung der allgemeinen Lockdown-Maßnahmen nicht vermittelbar gewesen. Zumal es sich mittlerweile zeigt, dass Kinder und Jugendliche im gleichen Maß Träger und Überträger des Virus sind wie Erwachsene.

Die anderslautenden ersten Ergebnisse einer Studie vom Frühjahr 2020, die das Land in Auftrag gegeben hatte, sind offenbar in Teilen längst überholt. Es wäre überfällig, dass die Landesregierung sich hier ehrlich macht. Dass Kultusministerin Eisenmann aber noch während der Weihnachtsfeiertage ankündigte, entgegen aller Warnungen und Gegenstimmen nach den Ferien wieder in den vollen Schulbetrieb zurückzukehren, hat völlig unnötig erneut für Aufregung bei allen Beteiligten gesorgt.

Zwar ist es richtig und wichtig, die Schulen soweit wie möglich offenzuhalten. Die Sicherstellung von Präsenzunterricht, Lern- und Betreuungsangeboten für alle Schüler und Kinder müssen auch in diesen Zeiten oberste Priorität haben. Aber durch Eisenmanns Beharren ging wertvolle Zeit verloren, in der die Alternative hätte vorbereitet werden können und müssen. Wechselunterricht kann funktionieren – wenn er vom Ministerium gewollt und gut vorbereitet ist, wenn mehr Personal, Räumlichkeiten und Geld dafür zur Verfügung stehen. Die Chance, all dies noch rechtzeitig zu organisieren, wurde durch Eisenmanns Beharren verpasst. Ausbaden müssen es nun erneut Schulleitungen, Lehrkräfte, Schüler und Familien.