Kommentar

Wichtiger Anker Türkei

Gerd Höhler zu wirt-schaftlichen Risiken am Bosporus

Die türkische Lira erlebt einen beispiellosen Absturz. Auch wenn Urlauber die Abwertung der türkischen Währung freuen mag – für Europa insgesamt und insbesondere für Deutschland birgt diese Entwicklung erhebliche Gefahren. Aus der Währungsschwäche könnte schnell eine Bankenkrise werden. Das beträfe nicht nur die türkischen Geldinstitute, auch spanische, französische und italienische Banken halten nennenswerte Beteiligungen im türkischen Finanzsektor. Und kommt es zu dem von vielen Kapitalmarktexperten erwarteten Crash, wären auch rund 6500 deutsche Unternehmen betroffen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten am Bosporus und in Anatolien angesiedelt haben.

Eine Rezession in der Türkei wäre für Europa wirtschaftlich zwar zu verkraften. Trotz der engen Handelsbeziehungen zum Bosporus würde sie das Wachstum in der Eurozone nur marginal bremsen. Aber politisch ist die Entwicklung viel alarmierender. Die Türkei ist für die EU und die Nato ein wichtiger Anker an der Schwelle zum unruhigen Nahen Osten. Doch ein Land, das ins wirtschaftliche Chaos abstürzt, kann seine Rolle als Sicherheitspartner nicht länger wahrnehmen. Deshalb muss dem Westen jetzt daran gelegen sein, das Land schnell zu stabilisieren.