Kommentar

Wider den Sportsgeist

Alexander Müller zur Vertragsklausel von Vincenzo Grifo

Arbeitsrechtlich dürfte die seltsame Klausel keinen Bestand haben. Aber um juristische Aspekte geht es auch weniger bei der vertraglich festgelegten Sperre des Neu-Freiburgers Vincenzo Grifo im Spiel gegen seinen früheren Verein TSG 1899 Hoffenheim. Vielmehr lässt der Bundesligist aus dem Kraichgau mit dem Pochen auf diese Klausel eine fragwürdige Einstellung zum Thema Sportsgeist durchblicken.

Sieben Millionen Euro hat Hoffenheim kurz vor Ende der Transferperiode für den Italiener bekommen. Eine Menge Geld, zumal der neue Trainer Alfred Schreuder mit dem Spielertypen Grifo, der weniger über Tempo, sondern mehr über seinen feinen Fuß und die Stärke bei Standardsituationen kommt, offensichtlich nichts anzufangen wusste. Gegen Bremen und in Leverkusen stand der 26-Jährige zuletzt noch nicht einmal mehr im Bundesliga-Kader. Hoffenheim hatte für ihn keine Verwendung mehr.

Wovor hat die TSG dann Angst? Dass Grifo beim Aufeinandertreffen mit seinem Ex-Club am Sonntag in einer Woche mit Wut im Bauch zum Matchwinner wird? Man weiß es nicht. Es ist davon auszugehen, dass Hoffenheim das Berufsverbot im direkten Duell einfach durchsetzte, weil es möglich war. Die Freiburger wollten ihren Wunschspieler Grifo unbedingt verpflichten und willigten notgedrungen ein.

Aber nicht alles, was man in Vertragsverhandlungen diktieren kann, sollte man auch durchboxen. Das Verhalten der TSG wirkt feige, und ein bisschen peinlich ist es auch. Mit fairem Sportsgeist und gesundem Wettbewerb hat die Grifo-Klausel auf jeden Fall nichts zu tun.

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