Kommentar

Wie eine Wurst vor der Nase

Hans-Jürgen Emmerich kritisiert die Impf-Anmeldung

Der Impfstoff gegen Corona ist endlich da, doch bis alle einen Schutz gegen das Virus haben, wird es noch eine Weile dauern. Dass in den Seniorenheimen mit dem Impfen begonnen wird, ist nur allzu verständlich. Schließlich leben dort jene Menschen, die am stärksten von der Seuche bedroht sind. Traurige Beispiele dafür gibt es auch in der Region leider genügend.

Aber warum geht das alles nicht schneller? Was sich viele fragen, ist leicht zu beantworten. Sowohl die Impfdosen als auch die personellen Kapazitäten sind beschränkt. Wenn allein im Rhein-Neckar-Kreis rund 36 000 Menschen 80 Jahre und älter sind und täglich höchstens 1000 von ihnen geimpft werden können, dann ist es eine simple Rechenaufgabe, wie lange das dauert. Da hilft nur abwarten. Was aber verbessert werden kann, ist die Unterstützung der betagten Menschen, die nicht in einem Heim leben und deshalb selbst einen Impftermin vereinbaren müssen. Sie mit einem Onlineportal im Internet abzuspeisen, das ist für viele von ihnen fast so, wie einem Hungrigen die Wurst in sicherem Abstand vor die Nase zu halten. Hier müssen jetzt vielerorts Kommunen wieder einmal ausbaden, was das Land verbockt hat.