Kommentar

Wirtschaft als Chance

Archivartikel

Frank Schumann über deutsche Geschäfte mit Russland

Die Mittelständler aus Baden-Württemberg, die in den vergangenen Tagen Moskau und St. Petersburg bereist haben, waren gerngesehene Gäste. Und das nicht nur, weil die russische Wirtschaft gerne Geschäfte mit Maschinen- und Anlagenbauern oder Automobilzulieferern aus dem Südwesten machen würde. Mehrfach betonten Vertreter russischer Unternehmen die Bedeutung wirtschaftlicher Kontakte über das Geschäftliche hinaus. Viel war dann von der Bedeutung guter Beziehungen zwischen Deutschland, Europa und Russland die Rede, von der langen Tradition guter Zusammenarbeit, von vertrauensvollen Kontakten, die aufrechterhalten oder neu belebt werden müssten. Aus all dem sprach der Wunsch nach einer Partnerschaft zu beiderseitigem Vorteil, jenseits internationaler politischer Konflikte.

Man kann Wirtschaft und Handel losgelöst von der politischen Ebene als verbindendes Element zwischen Deutschland und Russland begreifen, vergleichbar kulturellem oder bürgerschaftlichem Austausch, etwa über Städtepartnerschaften. Wer so argumentiert, muss in Kauf nehmen, dass er den russischen Präsidenten Wladimir Putin mindestens indirekt unterstützt. Wirtschaftliche Erfolge werden die Wähler ihm zurechnen.

Die Alternative ist, jegliche Zusammenarbeit mit Russland zu verweigern, bis für die Konflikte in der Ost-Ukraine und in Syrien eine Lösung gefunden ist. Dieser Standpunkt mag moralisch unangreifbar sein. Er dürfte Deutschland und Russland auf der pragmatischen Suche nach einem Weg zurück zu normalen Beziehungen aber wohl keinen Schritt voranbringen. Wo keinerlei gemeinsame Basis mehr besteht, wird alles nur noch komplizierter.