Kommentar

Wochen der Wahrheit

Archivartikel

Wolfgang Mulke zu wichtigen Terminen der Deutschen Bahn

Manches wird erst schlecht, damit es gut werden kann. Bahnkunden können davon ein Lied singen. Diesmal werden die Reisenden zwischen Hannover und Göttingen von langen Bauarbeiten geplagt. Am Ende steht aber eine Hochgeschwindigkeitsstrecke, die eine Bahnfahrt für alle schneller und bequemer werden lässt. Wenn nur alles so einfach wäre beim Staatskonzern, der vor Wochen der Wahrheit steht.

Die erste davon wird sich wohl am kommenden Donnerstag zeigen. Auf einer Sondersitzung will der Aufsichtsrat die Berateraffäre aufklären. Wurden am Kontrollgremium vorbei Ex-Vorständen lukrative Aufträge zugeschoben? Sollte sich dies bestätigen, könnten auch Köpfe von noch aktiven Managern rollen. Denn Fahrlässigkeit im Umgang mit dem Aktiengesetz wäre eine unglaubwürdige Ausrede derer, die solche Verträge unterzeichnet haben.

Die zweite Wahrheit folgt in der Woche darauf. Der Bahnvorstand legt dem Aufsichtsrat seine neue Strategie,,Starke Schiene“ vor. Darin schildert Bahn-Chef Richard Lutz die Zukunft in den schönsten Farben. Neue Züge, viel mehr Passagiere, endlich Güterverkehr auf den Trassen und vieles mehr. Nur: Die Finanzierung der schönen Zukunft ist überwiegend eine Aufgabe des Bundes. Und die Bundesregierung stellt zwar Anforderungen an den Konzern, etwa die Passagierzahl zu verdoppeln. Doch ausreichende Mittel dafür will sie nicht herausrücken. So könnten alle großen Pläne nur Worthülsen und vieles noch sehr lange schlecht bleiben, bevor es einmal gut werden kann.