Kommentar

Wohltuende Vielfalt

Archivartikel

Thorsten Langscheid über die Mannheimer Bildungslandschaft

Wie bitter nötig manche Bildungsangebote sind, kann man am Waldhaus erfahren. Die Förster und Waldpädagogen dort berichten, dass sie nicht selten in ihren Gruppen Stadtkinder antreffen, die noch nie vorher im Wald waren. Über den weichen Boden, durchs Laub und zwischen mächtigen Stämmen hindurch zu gehen – alleine das ist eine Lebenserfahrung, die jedes Kind machen sollte. Doch das Waldhaus leistet seit inzwischen zwei Jahrzehnten viel mehr: es befähigt in einer immer stärker von Naturentfremdung geprägten Gesellschaft zu zukunftsfähigem Denken und Handeln.

Dass am Stadtrand das Waldhaus sein Jubiläum feierlich begeht, während im Zentrum die waldorfpädagogischen Einrichtungen auf ein ganzes Jahrhundert einer auf ganzheitliche Ziele ausgerichteten Pädagogik feiern, kommt nicht von ungefähr: Mannheim steht als Bildungsstandort traditionell für ein vielfältiges, plurales Schulwesen, das nicht nur Platz für viele pädagogische Richtungen bietet, sondern diese unterschiedlichen Ansätze ausdrücklich fördert. So passt auch die Jugendbildungsmesse mit ihrer Leistungsorientierung gut ins Bild: Zwischen fordern und fördern gilt es eben, ein abgewogenes Maß zu finden.

Was Eltern und Pädagogen bei der Erziehung ihrer Kinder berücksichigen müssen, nämlich schulische Leistungen sowohl einfordern als auch die dafür nötige Unterstützung anbieten, das müssen Politik und Stadtverwaltung bei der Ausgestaltung der Bildungslandschaft ebenso. Mannheim hat diese Balance stets geschafft und bietet seinen Bürgern somit eine wohltuende Vielfalt in Sachen Bildung an.

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