Kommentar

Wunder von Lissabon

Die Wahlen in Portugal haben einen klaren Sieger hervorgebracht: António Costa. Vor vier Jahren war er der unwahrscheinliche Ministerpräsident. Jetzt ist er der unbestritten starke Mann Portugals. Das ist nicht unbedingt die leichtere Rolle.

Costa möchte nach diesem Wahlsonntag am liebsten alles beim Alten belassen. Das Bündnis seiner Sozialisten mit dem Linksblock und den Kommunisten sei doch offenbar bei den Portugiesen gut angekommen, findet er. Warum also nicht weiter so?

Portugal hat sich mal wieder als ein Wunder an politischer Stabilität in instabilen Zeiten erwiesen. Es gibt keine klügere Erklärung dafür als die eines Nationalcharakters, der zur Mäßigung neigt. Aber auch einem Portugiesen gehen mal die Gäule durch. Zumal wenn er der mächtigste Mann im Staate ist. Costa kann sehr ungeduldig werden, wenn er sich mit jemandem streiten muss. Das konnten seine Landsleute am Freitag sehen, als ihr Ministerpräsident den Anschein machte, als wollte er sich mit einem Kritiker auf offener Straße prügeln. Natürlich tat er es nicht. Aber er ist nicht immer der freundlich strahlende Mann, als den man ihn meistens sieht.

Für die anstehenden Regierungsverhandlungen mit den anderen linken Parteien wird er sich von seiner besten Seite zeigen müssen. Seine bisherigen Partner sind anspruchsvoller geworden. Diesmal geht es ihnen nicht, wie vor vier Jahren, darum, eine rechte Regierung zu verhindern – sondern einen allzu mächtigen Regierungschef Costa. Sein strahlender Wahlsieg ist auch eine Last.

 
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