Kommentar

Zauber des Anfangs

Archivartikel

Ralf Müller sieht Chancen, dass die Unionsparteien wieder gemeinsam durchstarten können

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Betont herzlich wurde die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer auf der Winterklausur der CSU-Bundestagsabgeordneten in Seeon begrüßt. Sie nahm sich ungewöhnlich viel Zeit in ihrem Weihnachtsurlaub, auch um friedliche Fernsehbilder mit den Vertretern der oft schwierigen Schwester zu produzieren. Ja, es gibt Chancen für einen echten Neuanfang.

Im vermurksten CSU-Jahr 2018 haben die Wähler den Christsozialen unmissverständlich deutlich gemacht, dass der bisherige Kurs der Konfrontation und des Querulantentums nicht erwünscht ist. Der neue bayerische Ministerpräsident und designierte CSU-Vorsitzende Markus Söder hat seine Politik deshalb auf nachdenklich und kooperativ getrimmt. Das Duo Kramp-Karrenbauer und Söder hat jetzt die Chance, es besser zu machen. Mit Angela Merkel („Wir schaffen das“) und Horst Seehofer („Herrschaft des Unrechts“) wäre das unmöglich gewesen.

Jetzt müssen sich beide Parteien geschlossen hinter dem gemeinsamen Europa-Spitzenkandidaten Manfred Weber versammeln. Für die CSU bietet Webers Kandidatur und die damit verbundene Aussicht, den nächsten EU-Kommissionspräsidenten zu stellen, eine Riesenchance. Aber: Sollte der Abwärtstrend in der Wählergunst trotz Weber-Kandidatur anhalten oder sich sogar beschleunigen, dürfte der Zauber des Neubeginns schnell wieder verflogen sein.