Kommentar

Zeit für die Wende

Manfred Loimeier richtet den Blick in Ruandas Zukunft und setzt sein Vertrauen auf die junge Generation

Ruanda, das im Zentrum Afrikas gelegene Partnerland von Rheinland-Pfalz, gilt als Modell. Als ein Vorbild dafür, wie angesichts des Völkermords vor 25 Jahren trotz aller Einschränkungen das Zusammenleben zwischen den einst verfeindeten Volksgruppen der Hutu und der Tutsi wieder möglich gemacht wurde; als Vorbild für wirtschaftlichen Aufschwung, für wirksamen Umweltschutz und für die Gleichstellung der Geschlechter. Das Wirtschaftswachstum ist eines der höchsten in Afrika, und die Teilhabequote von Frauen ist besser als in Frankreich oder Deutschland. Zudem ist Ruanda zum Traumziel von Fernreisenden geworden – das hochgelegene Bergland mit seinen vielen grünen Hügeln wird auch als die Schweiz Afrikas bezeichnet.

Zu verdanken ist diese Entwicklung dem Präsidenten Paul Kagame, dem siegreichen Führer der Bürgerkriegstruppen, die in den Jahren 1990 bis 1993 vom Nachbarstaat Uganda aus für die Rückkehr der zuvor tausendfach vertriebenen Menschen kämpften.

Seit dem Jahr 2000 ist Kagame nun schon Präsident – und hat wie viele andere afrikanische Machthaber auch das Wahlrecht zu seinen Gunsten geändert, um seine Amtszeiten verlängern zu können. Und wie in vielen Ländern Afrikas auch steht der Name des Präsidenten inzwischen nicht nur für Wahlmanipulation, sondern auch für die Unterdrückung der Opposition, für die Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit und für die anhaltende Intervention im westlichen Nachbarstaat, der Demokratischen Republik Kongo.

So schwelt hinter der glänzenden Kulisse der Erfolgsgeschichte Ruandas ein innen- wie außenpolitischer Krisenherd. Doch immerhin hat von den Bildungsreformen der Regierung Kagame eine junge Generation profitiert, die ein offeneres demokratisches Verständnis gewonnen hat und sich für ihre Freiheitsrechte engagiert. Und die mit Blick auf den Völkermord vor 25 Jahren zudem sagt, dass in ihrer Generation bereits zusammengewachsen ist, was zusammengehört: der gemeinsam gelebte Alltag von Hutu und Tutsi, von Ruandern eben. Und so ist es an der Zeit für eine Wende auch im höchsten politischen Amt Ruandas.