Kommentar

Zeit für Verbesserungen

Archivartikel

Peter Reinhardt über Alternativen zur Art der Volkszählung

Nur noch die Älteren unter uns können sich an den großen Streit um die Volkszählung 1983 erinnern. Zur Erhebung der Daten kam es durch den massiven Widerstand in der Bürgerschaft und ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts erst 1987. Satte 25 Jahre dauerte es dann bis sich Deutschland das nächste Mal an einen Zensus wagte und auch da nur unter dem Diktat der EU. Der ging 2011 zunächst ziemlich geräuschlos über die Bühne. Zum Aufschrei kam es erst, als die durch Hochrechnungen ermittelten Ergebnisse vorlagen und praktisch über Nacht viele Städte bis zu zehn Prozent ihrer Einwohner – und in der Folge viel Geld – verloren.

Eine einmalige Klagewelle von Städten, die sich übervorteilt fühlten, schwappte durch das Land. Das Bundesverfassungsgericht drückte allerdings die Augen vor den offenkundigen Unzulänglichkeiten des Verfahrens zu und winkte die Erhebung durch. Einige Verbesserungen soll es nun immerhin geben. Wirklich besser wird die Datenlage aber erst mit der Schaffung eines zentralen Melderegisters.

Für 2021 ist das natürlich nicht mehr zu schaffen, aber bis zur übernächsten Erhebung sollte sich die Politik das vornehmen. Mit den sozialen Medien hat sich die Einstellung zum Datenschutz in weiten Kreisen der Bevölkerung grundlegend geändert. In Zeiten, wo bei Facebook und Co. persönlichste Angaben öffentlich gemacht werden, sollte eine solche Vereinfachung kein Stein des Anstoßes mehr sein.