Kommentar

Zermürbende Jagd

Jürgen Berger zur Situation von Serena Williams

Für Serena Williams geht es im Endspiel der US Open nicht nur um die Einstellung des Grand-Slam-Rekords von Margaret Court. Die US-Amerikanerin ist längst eine lebende Tennis-Legende, eine der Größten aller Zeiten, wenn es allein um die sportlichen Erfolge geht. Nach dem Skandal-Finale vor einem Jahr haftet der 37-Jährigen allerdings der Makel einer schlechten Verliererin an, den sie seitdem nicht korrigieren konnte.

Die zermürbende Jagd nach ihrem 24. Titel bei den Turnieren in Melbourne, London, Paris und New York strapaziert die Nerven von Williams sehr. Seit ihrem letzten Triumph bei den Australian Open im Januar 2017 ließ die überehrgeizige Ausnahmespielerin drei Rekord-Chancen aus. Besonders bitter: Jedes Mal ging sie als Favoritin in die Duelle.

Auch jetzt ist die Rollenverteilung klar: Kann Serena Williams ihr Potenzial auf dem Platz in Flushing Meadows abrufen, wird Bianca Andreescu chancenlos sein.

Williams selbst ist ihre größte Gegnerin. Sie ist mit Blick auf ein absehbares Karriereende eine Gefangene der eigenen Verbissenheit, die Lockerheit fehlt. Diese Triebfeder ihrer früheren Erfolge ist nun ihre größte Schwäche, die auch eine positivere Außendarstellung verhindert. Dabei hat die Kalifornierin auch seit ihrer Rückkehr nach der Geburt ihrer Tochter Großes geleistet.