Kommentar

Zerrüttete Beziehung

Archivartikel

Es sind 29,77 Euro pro Meter Frontfläche. Das sollen Anlieger künftig jährlich mehr bezahlen. Für die Nassreinigung der Planken-Pflaster. Das ist nicht gerade viel. Rechnet man mit einer Hausfront von 20 Metern, zahlen alle (!) Mieter dieses Anwesens zusammen 594 Euro. Große Hysterie wegen der Mehrkosten ist daher unangebracht.

Es ist wohl eher die Art, wie Mannheims Umweltbürgermeisterin Felicitas Kubala den Vorstoß für die neue Reinigungssatzung ins Spiel gebracht hat. Die Händler fühlen sich übergangen. Ihnen sei ein Reinigungskonzept versprochen worden – bekommen haben sie nur einen festgesetzten Geldbetrag, den sie (zusammen mit anderen) zahlen sollen.

Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte zwar der Vizepräsident des Handelsverbandes Nordbaden, Hendrik Hoffmann, dass hier keine Gefühle verletzt wurden. Im gleichen Atemzug sprach er aber von einem vertrauensvollen Umgang und einer gewissen Wertschätzung, die man sich als Vertreter des Handels wünsche. Und damit hat er Recht.

Auch Außenwirkung wichtig

Eine zerrüttete Beziehung tut nicht gut. Denn der Handel in der Innenstadt sorgt für großes Ansehen der Stadt. Das zeigen Berechnungen der Industrie- und Handelskammer. Der Einzelhandel in der Innenstadt hat demnach eine überdurchschnittliche Anziehungskraft für Kunden aus der Region. Es geht also auch um die Außenwirkung Mannheims. Wenn Händler zusehends unzufriedener werden, kann das der gesamten Stadt schaden.

Unzufriedenheit. Ein weiteres Stichwort in Sachen Sauberkeit. Denn die Händler sind nicht gerade begeistert von der Qualität der Reinigung. Viele von ihnen säubern die Pflastersteine zusätzlich sogar selbst. Dass sie sauer sind, wenn sie vorher nicht einmal ins Gespräch einbezogen wurden, ist nur zu gut nachvollziehbar. Das Dezernat von Felicitas Kubala täte also gut daran, wieder mehr in die Beziehung zu investieren: Die Wogen glätten – und die Anliegen der Händler künftig ernster nehmen.

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